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  • P. Roth & G. Dazzi

Ma quella faccia un po' così prima di andare a Genova

Aktualisiert: 18. März 2018

«Ma quella faccia un po' così Quell' espressione un po' così Che abbiamo noi prima d'andare a Genova

E ogni volta ci chiediamo Se quel posto dove andiamo Non c'inghiotte, e non torniamo più.»*

«Aber dieses Gesicht,

Dieser Ausdruck,

Den wir immer dann haben, wenn wir nach Genua fahren,

Und wir fragen uns jedes Mal,

Ob der Ort, zu dem wir unterwegs sind,

Uns nicht verschluckt und wir nicht wiederkehren.»*


… und schwupps, verschlang uns die Stadt, am Sonntag 11. März, nach sieben Stunden Postauto- und Zugfahrt, an einem kühlen, nassen Abend. Wir bogen in die erste Gasse der Altstadt ein.

Das erste Sinnesorgan, das herausgefordert wird, ist die Nase: Es riecht modrig, einen Schritt weiter nach Urin, nochmals zwei Schritte weiter duftet es herrlich nach frischer focaccia, wenn man kurz darauf um die Ecke biegt fischelt es, bei der nächsten Tür sticht uns ein intensiver Erdbeerduft in die Nase.


«Ed ogni volta l'annusiamo E circospetti ci muoviamo Un po' randagi ci sentiamo noi.»*

«Und jedes mal beschnuppern wir sie

Und vorsichtig bewegen wir uns

Etwas umherstreunend.»*


Erst jetzt aktivieren sich auch die Ohren: am Tischchen an der Bar wird heftig auf Italienisch diskutiert (am nächsten Sonntag wird Sampdoria – einer der beiden Fussballclubs Genuas – gegen Inter spielen, das haben wir bereits auf den ersten 50 Metern durch die Stadt mitbekommen), vom fruttivendolo (Gemüsehändler) zum Metzger über die Gasse wird auf Arabisch kommuniziert, und was der Schirmverkäufer mit dem Armbändeliverkäufer spricht, können wir nicht sagen, Afrikanisch im weitesten Sinn.


«Eppur parenti siamo un po' Di quella gente che c'è lì Che come noi è forse un po' selvatica ma

La paura che ci fa quel mare scuro E che si muove anche di notte Non sta fermo mai.»*

«Und dennoch sind wir ein bisschen verwandt

Mit den Menschen da

Die wie wir, vielleicht etwas wild aber

Mit unserer Angst vor dem dunklen Meer

Das sich auch nachts bewegt

Und niemals still steht.»*


Die Augen öffnen wir erst richtig nachdem wir die vielen Treppen in «unserem» Haus erklommen haben. Im obersten Stock eines ehemaligen Klosters, auf ca. 20 Meter Höhe eröffnet sich uns die Kulisse Genovas, und uns stockt der Atem:



Aber das Meer, wo bleibt das Meer? Das Meer gibt es nur in Boccadasse, finden unsere Kinder. In Genova ist das Meer nicht sichtbar. Es wird sozusagen überlagert von den Container- und Kreuzfahrtschiffen, den Fähren, den ehemaligen Baumwollspeichern, Kohledepots, der Autobahn, dem Aquarium, den Werften, die heute ein Museum beherbergen, den Hafenanlagedogs, den Kränen…

Das Meer, respektive der Hafen und die Stadt – ein schwieriges Thema. Das Verhältnis zwischen Stadt und Hafen, das Jahrhunderte lang einer symbiotischen Beziehung gleichkam, ist heute eher problematisch. Seit 2004 wird daran gearbeitet, aber dazu vielleicht später.


«Genova, dicevo, è un'idea come un'altra

Ma quella faccia un po' così Quell' espressione un po' così Che abbiamo noi

Mentre guardiamo Genova.»*

«Genua, sag ich, ist eine Idee wie jede andere

Aber dieses Gesicht

Dieser Ausdruck

Den wir haben

Während wir auf Genua schauen.»*

* Paolo Conte, Genova per noi, 1975

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